| Die
Neue Rückenschule |
| Immer mehr Deutsche leiden unter Rückenschmerzen. In den 1980er Jahren ist ein breites Angebot an Rückenschulen zur Bekämpfung und zur Prävention von Rückenleiden entstanden. Die „Klassische Rückenschule“ enthielt jedoch Schwachstellen, die Veränderungen und Ergänzungen der Schulungsinhalte erforderten.
Der ganzheitliche Ansatz der „Neuen Rückenschule“ berücksichtigt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse für die Prävention. Die Konföderation der deutschen Rückenschulen (KddR), ein Zusammenschluss der neun größten deutschen Rückenschulverbände, hat 2007 ein verbindliches Curriculum mit neuen Richtlinien für die Kursinhalte eingeführt. Das Forum Gesunder Rücken – besser leben e. V. war maßgeblich an der Entwicklung dieser Bestimmungen beteiligt. Insbesondere die Stärkung der physischen und psychosozialen Gesundheitsressourcen sowie eine veränderte Einstellung zum Rückenschmerz stehen im Vordergrund der „Neuen Rückenschule“. |
Vergleich von „Klassischer Rückenschule“ und „Neuer Rückenschule“ |
| Klassische Rückenschule | Neue Rückenschule | |
| Ursachen von Rückenschmerzen |
- bio-medizinisches Modell - schlechte Körperhaltungen und falsche Bewegungsmuster - Bandscheibenvorfall - Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben und Wirbelgelenken - arthro-muskuläre Dysbalancen |
- bio-psycho-soziales Modell - psychosoziale Faktoren, z. B. Depression, Angst, Arbeitsunzufriedenheit, Arbeitslosigkeit - Einstellung zum Schmerz (Katastrophisieren, Furcht-, Vermeidungsverhalten) - körperliche Faktoren, z. B. Bewegungsmangel, Bewegungsmonotonie, Zwangshaltung |
| Vorstellung von einer guten Körperhaltung | - funktionelle Aufrichtung der Wirbelsäule in Anlehnung an das Zahnradmodell nach Brügger | - es gibt keine fixierte
Körper-haltung, sondern nur eine dynamische Körperhaltung, bei
der alle Körperabschnitte fortlaufend um das senkrechte Körperlot
pendeln - keine Haltung ist so gut, dass sie längere Zeit eingenommen werden sollte |
| Zielgruppen-findung | - keine systematischen Maßnahmen | - Einsatz von Indikationsbögen - Unterscheidung in präventive und therapeutische Rücken-schule, Kinderrückenschule, Betriebliche Rückenschule |
| Übergeordnete Ziele |
- Erlernen von bandscheibengerechten Haltungs-
und Bewegungsmustern - Ausgleich der arthro- muskulären Dysbalancen durch funktionelle Gymnastik |
- Stärkung der physischen
und psychosozialen Ressourcen - Verminderung von Risikofaktoren - Aufbau von und Bindung an gesundheitsorientierte Aktivität - Sensibilisierung für haltungs- und bewegungsförderliche Verhältnisse |
| Inhaltsschwer-punkte | - Anatomie und Physiologie der Wirbelsäule - Risikofaktoren für den Rücken - funktionelle Haltungs- und Bewegungsschulung - funktionelle Wirbelsäulen-gymnastik - kleine Spiel- und Übungs-formen - Übungen zur Entspannung |
- Körperwahrnehmung
und Körpererfahrung - Training der motorischen Grundeigenschaften - Entspannung und Stressmanagement - kleine Spiele/ Spielformen und Parcours - Haltungs- und Bewegungsschulung - Wissensvermittlung und Information zur Förderung der Rückengesundheit - Strategien zur Schmerz-bewältigung - Verhältnisprävention - Vorstellung von Life-Time-Sportarten - Gruppen – und Einzelgespräche - Evaluation |
| Gesundheits-pädagogische Ausrichtung | - Risiko- und Defizitorientierung - Krankheitsorientierung - falsch-richtig Dichotomie - sachorientiert - „Schulcharakter“ - Patientenorientierung |
- Einzelarbeit Orientierung
an Aufbaufaktoren (Salutogenese) - ressourcenorientierter Ansatz - handlungs- und erlebnis-orientiert - teilnehmer- und kunden-orientiert |
| Methodik | - vortrags- und informationslastig - Einzelarbeit - Deduktive Lehrmethode: (=Vormachen – Nachmachen) |
- Einzelarbeit Partner-
und Gruppenarbeit - Kursleiter als Moderator - induktive Lehrmethode (=erarbeiten, ausprobieren) |
| Dauer der Rückenschule | - Begrenzung auf einen Kurs | - Rückenschulinhalte werden in mehreren aufeinander aufbauenden Kursen angeboten (vgl. BdR – Modell) |
| Evaluation | - selten durchgeführt | - Einsatz von standardisierten Evaluationsbögen |
| Ausbildung und Weiterbildung der Kursleitung | - sehr heterogen | - Einzelarbeit nach den bundes-einheitlichen Richtlinien der Konföderation der deutschen Rückenschulen (KddR) |
(Quelle: „Die Säule“ 4/2006, Leitthema, von Ulrich Kuhnt)